Familienbild mit dickem Kind

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Ein altes Familienfoto. Ich sehe dieses Bild wie durch fließendes Wasser. Wer waren diese Frauen und Männer wirklich? Waren sie so rau und streng, wie sie aussahen? Liebten oder ertrugen sie sich? Was würden sie erzählen, wenn sie die Gewohnheit hätten, von sich zu erzählen, die ihnen gewiss fehlt?

In ihrer Kindheit hat Margherita immer eine Schar von Tanten und Großtanten um sich: die sanfte Polonia, die als Hebamme alle im Dorf auf die Welt gebracht hat, Michin, die Seelenverwandte mit dem scharfen Witz, die schon als junges Mädchen mit ihren Schwestern in die Fabrik arbeiten geht, und vor allem Ninin, der Fixstern in dieser bitterarmen piemontesischen Bauernfamilie: Ninin mit ihrer unermüdlichen Arbeit und Hingabe für ihre Geschwister, für die Neffen und Nichten, auch für Maria, das Auswandererkind, das mit acht Jahren allein aus Amerika zurückkommt. Maria ist die erste der Familie, die sich mit einem Laden selbständig macht.

Über ein Jahrhundert umspannt Margherita Giacobinos persönliche Familiensaga, in der sie die Ränder der großen Geschichte erkundet und vor allem den Frauen ein Denkmal setzt. Es ist eine Geschichte von bitterer Armut und harter Arbeit, eine Geschichte von Auswanderung und Wanderarbeit, von der Kriegsgefangenschaft des Vaters im fernen Deutschland, aber auch die Geschichte des ökonomischen Wandels und einer allmählichen Emanzipation der Frauen.

Margherita Giacobino, geboren 1952, lebt als Schriftstellerin, Übersetzerin und Regisseurin in Turin. Sie übersetzte u.a. Werke von Emily Brontë und Gustave Flaubert ins Italienische. In Deutschland wurde sie vor allem mit ihrem Roman Hausfrauen in der Hölle und der literarischen Travestie Elinor Rigby – Eine Amerikanerin in Paris bekannt.

Verlag: http://www.kunstmann.de/

Der gute Banker

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Hat Claude Martingale gehofft, er könne seinem Leben als Banker durch seinen Umzug von Paris nach Dublin die ersehnte Wende geben? Sein neuer Job in der aufstrebenden Bank von Torabundo raubt ihm jedenfalls schnell jegliche Illusion. Auch hier verbringt er, wie alle seine Kollegen, seine Tage und Nächte einzig im Dienste des Geldes.

In diese lähmende Eintönigkeit platzt der Schriftsteller Paul, der, auf der Suche nach neuem Stoff, Claude zu seinem modernen Jedermann erkoren hat, zum Helden seines künftigen literarischen Meisterwerks. Unter Pauls höchst erfindungsreichem Einfluss wird Claudes Leben tatsächlich aufregender, besonders als die schöne griechische Kellnerin Ariadne ins Geschehen tritt.

Doch Paul treibt ein doppeltes Spiel, und auch die Bank von Torabundo erweist sich als weniger ehrenwert als erhofft: zwielichtige Übernahmen, dubioser Derivatehandel und eine neue Unternehmensstrategie, die sich »kontraintuitives Handeln« nennt – kann das alles gut gehen?

Paul Murray, geboren 1975, studierte Englische Literatur und Creative Writing an der University of East Anglia. Danach arbeitete er als Buchhändler. Nach An Evening of Long Goodbyes (2005) und dem Bestseller Skippy stirbt (2011) ist dies sein dritter Roman. Er lebt in Dublin und gilt als eine der bedeutendsten Stimmen der irischen Literatur.

Verlag: http://www.kunstmann.de/

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

„Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird.“

Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Als Erwachsene glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein. Ein berührender Roman über das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und über die Frage, was in einem Menschen unveränderlich ist. Und vor allem: eine große Liebesgeschichte.

Jules und seine Geschwister Marty und Liz sind grundverschieden, doch ein tragisches Ereignis prägt alle drei: Behütet aufgewachsen, haben sie als Kinder ihre Eltern durch einen Unfall verloren. Obwohl sie auf dasselbe Internat kommen, geht jeder seinen eigenen Weg, sie werden sich fremd und verlieren einander aus den Augen.

Vor allem der einst so selbstbewusste Jules zieht sich immer mehr in seine Traumwelten zurück. Nur mit der geheimnisvollen Alva schließt er Freundschaft, doch erst Jahre später wird er begreifen, was sie ihm bedeutet – und was sie ihm immer verschwiegen hat. Als Erwachsener begegnet er Alva wieder. Es sieht so aus, als könnten sie die verlorene Zeit zurückgewinnen, doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein.

Benedict Wells wurde 1984 in München geboren. Im Alter von sechs Jahren begann seine Reise durch drei bayerische Internate. Nach dem Abitur 2003 zog er nach Berlin. Dort entschied er sich gegen ein Studium und widmete sich dem Schreiben. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit diversen Nebenjobs. Sein vielbeachtetes Debüt ›Becks letzter Sommer‹ erschien 2008, wurde mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet und 2015 fürs Kino verfilmt. Sein dritter Roman ›Fast genial‹ stand monatelang auf der Bestsellerliste. Nach Jahren in Barcelona lebt Wells inzwischen wieder in Berlin.

Verlag: http://diogenes.ch

Alles kann warten – ein Roadtrip

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»Dieser Marc Hofmann schreibt manchmal sanft, manchmal rau, manchmal nimmt er richtig Fahrt auf, manchmal bremst er hinein in die Lakonie. Ein Roman wie ein Bruce-Springsteen-Song!« (Hannes Ringlstetter, »Schinderhannes«)

Paul ist Anfang 40 und Lehrer. Ein Haus, einen Garten, eine Familie hat er auch. Doch irgendwo zwischen Beruf und Alltag hat er sich selbst verloren.

Als seine Mutter ihm klarmacht, dass nicht mehr viel Zeit bleiben wird, um endlich den Streit mit seinem Vater beizulegen, ergreift ihn schlagartig das Gefühl etwas ändern zu müssen.

Zusammen mit seinen Kumpels aus Kindheitstagen Robert und Immel macht er sich auf den Weg in die alte Heimat. Ihr eigentliches Ziel verlieren die drei Freunde aber schnell aus den Augen, denn nicht nur Paul stellt sich die Frage, ob er eigentlich das Leben lebt, das er immer leben wollte. Robert, der Arzt und egoistische Workaholic, vernachlässigt alle, die ihm nahestehen. Und Immel, der Lebenskünstler, verweigert sich jeder Verpflichtung und lebt noch immer wie ein Teenager.

Alle drei stürzen sich in ein Abenteuer nach dem nächsten, lassen ihre gemeinsame Leidenschaft für Popmusik und Alltagsweisheiten hochleben und genießen es in vollen Zügen, sich endlich mal wieder frei zu fühlen.

Doch am Ende der Reise muss sich jeder der drei Männer die Frage stellen: Kann man ein Leben, das man einmal aus der Hand gegeben hat, wieder zurückholen?

Marc Hofmann, geboren 1972, ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. Und weil er daneben so viel Zeit hat, ist er auch Liedermacher, Kabarettist und Autor. Sein Debütalbum Lieder von der unsicheren Seite erschien im Herbst 2015, genau wie sein Debütroman Der Klassenfeind (Tropen/Klett-Cotta). Mit dem gleichnamigen Bühnenprogramm tourt er durch die Republik. Alles kann warten ist sein zweiter Roman. Marc Hofmann lebt in der Nähe von Freiburg.

Verlag: http://www.conbook-verlag.de/buecher/alles-kann-warten/

Von einem der auszog, um das Normale zu fürchten

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson

Wer „Das Jahr des Hasen“ von Arto Paasilinna gelesen hat, ist mit der nordischen Mentalität in der Literatur bereits vertraut. Auch bei Jonas Jonasson und seinem Debutroman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ geht es um einen „komischen“ Roman, der allerdings auch ernste Seiten aufzuweisen vermag, wenn auch meist im unschuldigen Plauderton eines schwedischen Forrest Gump. So wird manche geschichtliche Tragödie als Slapstick vorgeführt, was man mögen kann oder auch nicht.

Der Inhalt ist bizarr, schräg und in jedem Falle auch höchst unwahrscheinlich. Mit genanntem Hundertjährigen und einigen nicht minder außergewöhnlichen Haupt- und Nebendarstellern und einem sehr großen Haustier wird ein Erzählfaden gesponnen, der uns durch ein Jahrhundert Zeitgeschichte und eine sehr aktuelle Geschichte auf Kriminiveau bringt.

Einfallsreich ist die Geschichte dabei allemal, und erheblich viel lustiger und inhaltsreicher als manch anderes Buch auf dem belletristischen Markt. Jedoch muss man mit bereits genannten Referenzen auch eindeutig plagiatistische Tendenzen betonen, denn die Äquivalente für solch einen Roman gibt es bereits mehrfach und alle funktionieren nach einem ähnlichen Strickmuster. Das Rad hat Jonasson mit diesem Buch nicht neu erfunden, jedoch liest es sich unglaublich kurzweilig und macht ganz einfach Spaß.

Autor: Frank-Michael Preuss http://www.fmpreuss.de

Inhalt: Allan Karlsson hat Geburtstag. Er wird 100 Jahre alt. Eigentlich ein Grund zu feiern. Doch während sich der Bürgermeister und die lokale Presse auf das große Spektakel vorbereiten, hat der Hundertjährige ganz andere Pläne: er verschwindet einfach – und schon bald steht ganz Schweden wegen seiner Flucht auf dem Kopf. Doch mit solchen Dingen hat Allan seine Erfahrung, er hat schließlich in jungen Jahren die ganze Welt durcheinander gebracht. Jonas Jonasson erzählt in seinem Bestseller von einer urkomischen Flucht und zugleich die irrwitzige Lebensgeschichte eines eigensinnigen Mannes, der sich zwar nicht für Politik interessiert, aber trotzdem irgendwie immer in die großen historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts verwickelt war.

Jonas Jonasson, geb. 1962 im schwedischen Växjö, arbeitete nach seinem Studium in Göteborg als Journalist unter anderem für die Zeitungen „Smålandsposten“ und „Expressen“. Später gründete er eine eigene Medien-Consulting-Firma. Doch nach 20 Jahren in der Medienwelt verkaufte er alles und zog in den Schweizer Kanton Tessin. Sein Roman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ trat in Schweden eine regelrechte Allan-Karlsson-Manie los. Inzwischen erscheint der Titel in ganz Europa und entwickelt sich zu einem internationalen Bestseller. Zurzeit schreibt Jonasson an einem zweiten Roman.

zum Verlag: http://www.randomhouse.de/Paperback/Der-Hundertjaehrige-der-aus-dem-Fenster-stieg-und-verschwand-Roman/Jonas-Jonasson/e353913.rhd

Yves Ravey – Bruderliebe

Zwanzig Jahre ist es her, dass Jerry und Max sich zuletzt gesehen haben. Doch jetzt holt Max den älteren Bruder an einem grenznahen Bahnhof in der Schweiz ab und schmuggelt ihn auf Skiern über die Berge nach Frankreich. Kaum ein Wort fällt zwischen den ungleichen Brüdern, denn der Plan steht fest: Jerry, ehemals Kämpfer in Afghanistan, soll helfen, die Tochter von Max’ Chef zu entführen. Es geht um eine halbe Million Euro – und ein perfektes Verbrechen. Denn niemand im Ort wird Jerry wiedererkennen, und niemand würde auf die Idee kommen, Max, den langjährigen Vertrauten des Chefs, zu verdächtigen.

Doch bald stockt die perfekte Maschinerie, ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt. Hat Jerry mit dem selbstbewussten Mädchen, das Max zurückgewiesen hatte, andere Absichten? Warum zeigt er sich dem Entführungsopfer ohne Maske? Wer hat das Spiel in der Hand, bestimmt die Regeln?

Yves Ravey lehrt als Professor für bildende Kunst in seiner Geburtsstadt Besançon. Er ist Autor zahlreicher Romane und Theaterstücke und wurde vor kurzem für sein Gesamtwerk mit dem Schweizer Prix Renfer ausgezeichnet.

Verlags-URL: http://www.kunstmann.de/titel-7-7/bruderliebe-741